Montag, 5 of Dezember of 2016

Wo war der Sack?

Passend zur Weihnachtszeit, ein neuer Eintrag…

In den letzten Monaten war ich als Redakteur am Aufbau eines Forums beteiligt, das mir sehr ans Herz gewachsen ist. Inzwischen hat sich dieses Forum verselbstständigt, es wächst und gedeiht und ist von knapp 20 Freaks, auf über 2500+ gewachsen, täglich kommen neue dazu. Wer Interesse an dem brutalen, abartigen Killerspiel „Modern Warfare 2“ hat, das auch gleichzeitig eines der erfolgreichsten Games aller Zeiten ist, darf mich gerne dort mal besuchen: “Modern-Warfare2.de” ist innerhalb von wenigen Monaten das größte deutschsprachige Forum für den neuesten Ableger der „Call of Duty“-Reihe geworden. Darauf und auf das gesamte Team, bin ich verdammt stolz.

Leider habe ich dadurch sträflich meinen Blog vernachlässigt. Dabei gab es viel zu erzählen, doch tat ich es an anderer Stelle. Das wird sich wieder ändern, ab sofort geht es weiter mit den neuen Einträgen rund ums Thema „Game“.

Wer jetzt noch auf eine „Frohes Weihnachten“, „geruhsame, gesunde Feiertage“ oder sonst einen heu(ch)lerischen Glückwunsch hofft, der sei enttäuscht, von mir gibt es nur drei Buchstaben:

AFK

vagantX


Blick auf die Gamescom 2009

Unter tausenden von Menschen und menschenähnlichen Individuen, stakste auch ein orientierungsloser Blogger über die Gamescom 2009 in Köln. Dies sind seine Aufzeichnungen:

Wo ist der Clearasil-Stand? Auch wenn Gaming durchaus Sportcharakter hat, schön macht es nicht. Eine solche Häufung an wandelnden Hygienemängeln und akuten Dermatitis-Mutationen, müsste auch die Industrie interessieren. Am besten flankiert vom Gesundheitsministerium, mit den Aufklärungsständen „Haare waschen tut nicht weh“, „Deo ist kein Vogel“ und „Frische Unterhosen kleben nicht“, wäre das eine echte Marktlücke für pfiffige Kosmetikfirmen.

Immerhin zwei „Unternehmen“ haben dieses unentdeckte Potential erkannt und sich groß auf der Messe präsentiert. Da gab es tatsächlich einen Lobbystand, der für niederländisches Gemüse warb und nerdigen Besuchern die natürlichen Form einer Tomate („Wie, ich dachte die wachsen scheibenförmig auf Pizzas?“) näher brachte. Die verteilten Kugelschreiber schrieben nur in Beta-Carotin-Farbe, so hörte man einige Beschwerden, aber eine Möhre zu erkennen, da braucht es auch echtes Fachwissen.

Die zweite Firma, die sich geschickt den lebensfremden Mob zur Nutze machte, bot gleich eine komplette Umerziehung an. In großen Gruppen lernt man dort sich regelmäßig zu waschen, ordentlich zu kleiden, korrekt aufzutreten und effizient zu töten. Die Bundeswehr präsentierte sich frisch und frech, mit Panzer zum Anfassen. Kommt zu uns, Krieg ist so cool und ihr seid so dumm.

Was leider auch völlig fehlte, dank der kapitalistischen Ignoranz der Investorseite, war ein Frauen-Import Stand: „Heute günstige Albanerinnen, nehmt zwei, gibt’s noch eine thailändische Masseuse gratis dazu. Auch in blond gefärbt, nur heute, nur jetzt, das Super-Sonder-Messeangebot.“ Ja, so har es klingt, aber 90 Prozent der männlichen Messebesucher werden eine Frau einführen müssen, bevor eine Frau sie gratis einführt.

Der Kontrast konnte größer nicht sein, auf der einen Seite die Youporn-Experten, deren beste Freundin aus nur fünf Fingern besteht, auf der anderen Seite die (auf)reizenden Messehostessen. Gekleidet in einem Hauch von Nichts, wurden sie so oft fotografiert, dass sich einige schon mit Sonnencreme einrieben, um sich vor dem Blitzlicht zu schützen. Hübsch digital archiviert, dienten die Pixelabbilder dann zur händischen Stressbewältigung nach dem Messebesuch. Soviel Realität muss man erstmal verkraften und jetzt schnell wieder WOW spielen.

Weibliche Besucher waren selten oder wie eine der wenigen Frauen bemerkte: „So leere Damenklos habe ich noch nie auf einer Messe gesehen“. Das ist Schade, die Messer wäre der ideale Ort für beziehungshungrige Damen gewesen, die keine ästhetischen Ansprüche stellen. Es war viel Zeit sich näher kennen zu lernen. Sehr viel Zeit. Sehr, sehr viel Zeit. Zum Beispiel in der „Diablo III Warteschlange“. Dort stand ein Schild. Dies wurde nicht beachtet. Nicht ungewöhnlich. Es wurde sogar öfter von den Besuchern weggestellt oder umgedreht. Als würde sich durch das omnipotente Karma der Wartenden („Hey, ich bin Paladin der Stufe 99+“) die Realität ändern und die Schildaussage ungültig. Für alle Normalsterblichen stand dort schlicht: „Bitte nicht mehr anstellen, ab hier mehr als 4 Stunden Wartezeit.“

Den Standbetreibern war anscheinend nicht klar, dass die Messe in Köln (Westdeutschland) stattfand. Züngelnd in der Schlange stehen, darin haben die Leipziger (Ostdeutschland) mehr Erfahrung. Vor allen großen Neuerscheinungen kam es zu exorbitanten Wartezeiten. Aber eigentlich kann man den Ausstellern keinen Vorwurf machen, Messeplatz ist extrem teuer und dank des strengen Jugendschutzes in Deutschland, mussten alle Präsentationen für Volljährige in nicht einsehbaren Räumen stattfindet. Da diese nur über beschränkte Kapazitäten verfügen, kam es zu diesen langen Reihen der ungeduldig Wartender. Einzige vernünftige und radikale Lösung: Zugang zur Messe erst ab 18 Jahren. Aber das trauen sich die Gamesindustrie und der Messebetreiber sowieso nicht, also wird es im nächsten Jahre genauso „schlangig“ werden. Vorher kommt es natürlich zu Versprechungen wie „Wir haben daraus gelernt, 2010 wird alles besser“. Bullshit, das System stinkt. da hilft auch Luft zufächeln nichts.

Apropos Geruchsbelästigung, der PC stank auf der Messe deutlich ab. Die Casemodder präsentierten ihre krassen Kreationen und irgendwann wird ein PC in eine lebende Katze gepflanzt. „Say MIAU to reboot system!“ Nebenan hatte auch die ESL mit dem Jugendschutz zu kämpfen, deshalb sah der Messetand eher wie eine Trutzburg aus, die bei Bedarf hermetisch gegen Minderjährige abgeriegelt wurde. Der Rest der Messe war fest in Konsolenhand, alle großen Firmen präsentierten ihre Games auf Konsolenbasis. Seltsam: Zum besten PC-Spiel wurde „Call of Duty: Modern-Warfare 2“ gewählt. Gezeigt wurde am Stand aber eine live gespielte Map auf der Xbox360, die auch Leading-Plattform ist.

Fazit: Die Messe war kommerziell ein voller Erfolg, mit über 245000 Besuchern ist sie die weltweit größte Messe geworden. Kein schlechter Start. Doch die Wartezeiten an den Messeständen sind in dieser Form nicht zu akzeptieren und werden sicher einige Besucher 2010 abhalten, wenn nicht nachgebessert wird.

Der verwirrte Blogger hatte jedenfalls trotzdem Spaß, was auch an den zahlreichen Shirts, Schlüsselbänder und sonstigen Gimmicks lag, mit denen er bestochen wurde. Ich komme wieder!

AFK

vagantX


(M)ein Tag im Shooterium - Teil 1 -

Morgens 8.oo Uhr, der Wecker schellt. Reflexartig rolle ich aus dem Bett, greife im Fall nach der 9mm Colt auf der Nachtkonsole. BANG, BANG, zwei Schüsse, wieder war ich schneller. Als meine Frau sich langsam auf dem Bett auflöst, schlurfe ich schon ins Badezimmer.

Mit verklebten Augen gähnt mein Alter Ego mich im Spiegel an. Die Polygone, einst farbenkräftig und kantig, verblassen im Alter, verlieren deutlich an Schärfe und Kontrast. Kürzlich erst las ich einen Artikel im „Killboy“ über einen Grafik-Chirugen in der Direct-Street, vielleicht sollte ich mich bis dort mal vorkämpfen. Aber warum eigentlich? Solange der Rest noch funktionsfähig ist, insbesondere mein bestes Stück, der große, kräftige rechter Zeigefinger, kann ich auf diese Upgrades echt verzichten.

Ein Klicken lässt mich herumfahren, die 9mm wieder im Anschlag, die Zahnbürste in der andern Hand zum finalen Stich erhoben. Mein kleiner Sohn Gordon steht freudestrahlend in der Tür, zielt mit der Mini-Uzi ziemlich genau zwischen meine Beine. Ich atme auf, die Waffe gibt statt Blei nur mechanische Laute von sich. Der Jungendschutz im Shooterium funktioniert wunderbar.

„Hallo Paaaapiiii“ Tack, Tack, Tack, Tack. So eine Uzi ist ein tolles Kinderspielzeug.
„Hi Gordon, drop doch mal Mamis Waffe und geh dich bitte mal equippen, heute musst du in den Killergarten.“. Ach der Killergarten, was für schöne Erinnerungen, die ersten Erfahrungen mit bunten Waffen, fröhlichen Strategien und neckischem Nahkampf. Ja, die Kleinen sind unsere Basis für die Zukunft. „Ja Paaaapiiii“ Gordon dreht sich um und macht eine Rolle Richtung Kinderzimmer. Noch schnell in die BDU geschlüpft und ich gehe frühstücken.

Meine Frau wartet schon vor dem Herd auf mich, gut dass ich gestern die Speicherpunkte festgelegt habe. „Hallo Schatzi“. Es gibt nur einen kurzen, flüchtigen Kuss, natürlich sehe ich ihr an, dass sie das (wieder mal) verlorene Aufwachduell persönlich nimmt. „Hast Du ein paar frische Healhtpackets mit Milch für mich?“ frage ich. „Ja, aber iss nicht alle auf, Gordon braucht auch noch welche, heute ist Killergarten“ Als ob ich das nicht wüsste. „Er war wieder an deiner Schminktasche, Schatz, er hat die Uzi“, bemerke ich. „Ach nicht schon wieder, die habe ich gestern erst zerlegt und geputzt. Jetzt steckt er bestimmt wieder Knetgummi in den Lauf und beim Einkaufen stehe ich dann wehrlos da…. GORRDOOOON SPIEL GEFÄLLIGST MIT DEINER AKU!“ Sie eilt ins Kinderzimmer und ich habe meine Ruhe. Der Tag fängt gar nicht schlecht an.

Vor der Garderobe wird es immer schwierig. Der Weg ins Amt ist nicht weit, also sollte man die Verhältnisse waren. Der Raketenwerfer ist eher was für Tagesausflüge und für den Bus viel zu sperrig. (Das erinnert mich an die Geschichte mit dem kettenrauchenden Typen in der U-Bahn und dem Flammenwerfer-Rucksack, aber die ist echt zu lang, die erzähle ich ein anderes Mal) Der Tag wird sonnig und trocken, also entscheide ich mir für die AK47, die USP, ein paar Blendies nebst einige griffige Nades. Elementar und geradlinig, das ist mein Stil, nicht so verspielt. Die Steyr AUG, ist doch echt nur für Metrosexuelle, aber sie war ein Geschenk zum Hochzeitstag, immerhin besser als Socken.

Ich schaue noch mal kurz in die Küche und tatsächlich in gleichem Augenblick erscheint wieder meine Frau vor dem Herd, ein Messer fällt scheppernd vor ihre Füße. „GOOOOORDOOONN“, sie ist ziemlich sauer. „Lass mich raten, er hat nicht nur die UZI, sondern auch das Butterfly geklaut, oder?“ frage ich, den verbalen Finger in der Wunde drehend. Jetzt wird es Zeit zur Arbeit zu gehen, sonst wird es blutig. „Tschüss Schatz“. Ein schneller Abschiedskuss. Das gemurmelte „Ich bringe ihn um“ beziehe ich einfach auf unseren Sohn.

Schon stehe ich vor der Spawntür. Ich nehme eine der Blendgranaten, ziehe den Zündring, öffne die Tür einen kleinen Spalt und werfe die Blendie auf den gepflasterten Weg vor unserem Haus. Schnell die Tür wieder zu. Eine dumpfe Explosion ertönt. Ich locker kurz mein Schulter, öffne die Tür wieder, ziehe die USP und starte in einen arbeitsreichen Tag. „Guten Morgen Herr Blazkowicz“ Der versteckt sich immer direkt hinter dem Windschutz der Tür, die Granate lässt ihn blind durch meinen Vorgarten stampfen, direkt durch die frisch gepflanzten Lilien. Ich hebe die Pistole, doch plötzlich zerplatzt sein Kopf mit einem dumpfen Geräusch. Durch das Loch in der Küchenscheibe höre ich meine Frau „Runter von meinen Blumen!“. Herr Carver springt derweil hinter einem parkenden Auto hervor, meine USP ergänzt das Muster seines Arma-Nie-Anzug mit einigen saftig-roten Flecken.

Die Nachbarn hier sind nicht sehr clever, das ist mein Glück. Ein berechenbarer Gegner, ist ein toter Gegner. Ich verlasse das Haus jeden Tag gegen 8:45 Uhr und jeden Tag stehen sie, auf einen schnellen Frag hoffend, direkt vor meiner Spawntür. Bis die Bushaltstelle in mein Blickfeld kommt, treffe ich noch weitere fünf Nachbarn…sie mich nicht. Keiner wirklich gut, alles Noobs, die AK hätte ich bis dahin zu Hause lassen können. Ich kaufe mir noch schnell eine Zeitung.


Über 42.000 Tote

Über 42.000 Tote gehen auf mein Konto. Ich bin ein Massenmörder. Ich habe Lemgo ausgelöscht oder Wunstorf oder Dreieich. Jeden einzelnen Einwohner erschossen. Und: Ich habe kein schlechtes Gewissen. Alle meine Opfer waren bewaffnet und wollten mich erledigen, Notwehr sozusagen. Nun sind sie dahin. Fort, im Himmel, in der Hölle, im großen Nichts. Aber ich werde nicht aufhören zu töten, denn es macht mir Spaß.

Schaue ich mir mein „Call of Duty: Modern Warfare“ Profil an, steht da tatsächlich 42.536 Abschüsse. Das ist nicht mal besonders viel, je nach Spielmodus kommt man locker auf sechsstellige Zahlen. Trotzdem ist diese Zahl „interessant“. In der virtuellen Realität meines PC bin ich das schlimmste Ungeheuer aller Zeiten. 603 Tage sind seit dem Release des Spiels vorhanden. D.h. ich erledige pro Tag ungefähr 70 Opfer. Jede Stunde 3 Stück, 24 Stunden am Tag, gnadenlos, unaufhaltsam, eiskalt.

Ist das Wasser auf die Mühlen der „Killerspiele“-Kritiker? Mundgerecht serviertes Propagandamaterial für die Schreihälse nach Spielverbot und Zensur? Nein, denn dieser Kill-counter bedeutet mir nichts. In Erinnerung bleiben mir die tollen Spielabende mit Freunden und Clankollegen, die Erfolge und Niederlagen die wir erfahren haben, der Teamgeist, das Zusammenspiel. Das Gefühl ein Spiel gefunden zu haben, das mir liegt und das mich immer noch fordert. Der Rest ist abstraktes Beiwerk.

Trotzdem werde ich mir ein fieses Grinsen nicht verkneifen können, sollte ich mal durch Lemgo, Wunstorf oder Dreieich fahren. Aber das ist halt eine Frage des Humors und meiner ist eher nachtiefdunkelteerschwarz.

AFK

vagantX


Michael vs. Duke

Kollektives Kulturempfinden ist ein zivilisatorischer Grundstein. Der populäre Mainstream definiert sich durch Hitlisten und Verkaufscharts. Was oben ist, ist wunderbar. Jeder will auf der Spitze der Welle mitschwimmen. Alleine ist doof. Der Massengeschmack gibt die Richtung vor, alle marschieren im Gleichschritt hinterher. So sollte es sein, denn jeder muss seinen Platz in der großen Herde finden. Nur durch stete Homogenität erreichen wir das von Morus erträumte Utopia..

Doch dann passiert es, da kommt plötzlich ein ANDERER, der ist irgendwie KOMISCH, der hört kranke Musik, der liest seltsame Bücher und spielt, bei Sonneschein und 37° Hirntemperatur im abgedunkelten Raum, infantile Computerspiele. So etwas irritiert, das geht nicht, das darf nicht sein. Versucht der nett-neugierige Nachbar etwas Smalltalk mit diesem Sonderling zu halten, (es muss schließlich eine potentielle Amoklaufgefahr ausgeschlossen werden) erblickt man die tiefen seelischen Abgründe. Die notwendige gesellschaftliche Kompatibilität ist damit ausgeschlossen. Hier das Gesprächsprotokoll:

Akteure: WNN (wirklich netter Nachbar) / SKT (seltsamer komischer Typ)

WNN: „Guten Tag Herr Nachbar“
Der Angesprochene blickt irritiert hoch, direkte Kommunikation scheint ihm eher fremd.
SKT: „Aäh…Hallo“ Er dreht sich um und will weiter gehen.
WNN: „Schönes Wetter heute, nicht?“
SKT: „Hm, Hm“ Er nickt und blickt sich hilfesuchend um. Aber da ist niemand, keine Ablenkung, kein Gewitter, kein bissiger Hund, nichts was ihn retten könnte, also ergibt er sich dem Gespräch.
WNN, leise flüsternd „Haben sie schon vom armen Michael gehört?“
SKT, etwas verwirrt: „Bitte was? Wer?“
WNN: „Der Michael, der Jackson, der ist tot“
SKT: “…“ Deutlich sichtbar, seine völlige emotionale Leere.
WNN: „Na, sie wissen schon, der King of Pop, 14 Nr. 1 Hits in den USA, der mit dem fetzigen Moonwalk und mit dem Thriller und so“
SKT „Ja, ich habs vorhin im Netz gelesen“ Deutlich wird hier seine selbstgewählte Außenseiterposition: Er liest „im Netz“. Der brave Bürger hat eine regionale Tageszeitung und schaut stündlich Tagesschau.
WNN: „Ist doch eine traurige Sache, er war doch unser Bester“
SKT, völlig regungslos, ja schon fast gelangweilt: „Äh, ja?“
WNN überlegen: „Sagen sie einen besseren!“
SKT, leicht lächelnd: „So spontan, da auch kürzlich verstorben: Duke Nukem“
WNN, verwirrt: „Wer? Gehörte er zum englischen Königshaus?“
SKT: „Nein, aber fast. Er war eine Ikone der Computerspielkunst, er war eine der coolsten Spielfiguren in der Welt der Videospiele. Und nicht zu vergessen, er war der langlebigste Running-Gag nach Daikatana“
WNN deutlich erregt: „Sie, Sie…. Monster! Sie vergleichen den größten Pop-Musiker aller Zeiten, kurz nach seinem Ableben, mit, mit, mit… einem dummen Computerdingen? Das ist widerwärtig und pietätlos!“
SKT: „Der Stellenwert für Ihren Herr Jackson liegt für mich aber nun mal deutlich unter dem von Duke Nukem“
WNN, jetzt wütend: „Sie Lump, dann prügele ich den Anstand jetzt Ihnen ein!“
SKT lächelt jetzt wirklich: „It’s time to kick ass…“

BKA, LKA, MAD und CSU wurden selbstverständlich informiert. Subjekte wie dieser SKT müssen aus unserer Gesellschaft entfernt werden! Jeder ist jetzt moralisch verpflichtet dem Michael zu huldigen, seine Platten zu kaufen und mit Kindern im Bett zu „kuscheln“!

Kill your idols!

AFK

vagantx


Von der desorientierten, sozial-ethischen Gefahr der Verdummung

Oder: Die Schlinge zieht sich enger

Demokratie macht faul. Hat sich der Mensch erstmal an alle Freiheiten gewöhnt, lehnt er sich phlegmatisch zurück, öffnet das süffige Bier der Dummheit und trinkt es auf „ex“ aus. Benebelt macht er dann alle paar Jahre ein Kreuz, manchmal auch nicht, wenn kümmert es. Er kann eh nichts ändern, „die“ machen was sie wollen. Die tägliche Zeitung mit den vier Buchstaben wird ihm schon sagen, wenn etwas in seiner Welt nicht stimmt. Dann sind zum Beispiel noch die bösen Terroristen/Kinderschänder/Killerspielspieler/Hundehalter/Hausierer/Silberfische, die müssen weg, dafür opfert er gerne ein paar seiner Rechte, er hat ja so viele davon. Hauptsache er ist sicher, Hauptsache er denkt er ist sicher, Hauptsache er ist sicher und denkt nicht.

Der mündige Deutsche bedarf des dringenden Schutzes durch den staatlichen Erzieher. Mundgerecht servierte Informationen, überprüft und selektiert. Gehste wohl von der gefährlichen Straße der freien Information weg Kleiner! Kommste hier ganz schnell bei die Mama!

Aktuell wird die Freiheit der Bürger nicht nur in Afghanistan verteidigt, nein, zum Schutze des deutschen Jungendlichen kämpft die BPJM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften) heroisch im fernen Österreich. Dort erdreistet sich tatsächlich ein Onlinehändler nicht nur für böse Games “ab 18 Jahren” zu werben, sondern diese auch noch zu verkaufen! Das geht so natürlich nicht, auch wenn die Seite in Österreich gehostet, betrieben und verwaltet wird, das war schließlich auch mal Deutschland. Also setzte die Volksbefreiungsfront BPJM schnell ein tolles Schreiben auf, mit der Androhung der Indizierung. Wider der „sozial-ethische Desorientierung“ und der drohenden “Verrohung“ von „Heranwachsender” durch “nachhaltigem Empathieverlust”, so liest sich das sinnlose BPJM-Pamphlet, äh, der sinnvolle BPJM-Indizierungsantrag. Wer sich hier an die Wortwahl alter Zeiten erinnert, der ist rhetorisch vorbelastet.

Große Auswirkungen drohen der Seite leider nicht, nur einige opportunistische Suchmaschinen (darunter Google“), haben sich freiwillig verpflichtet, indizierte Seiten nicht mehr zu listen und selbstverständlich wird die Werbung im freien Deutschland für diese Schundseite verboten.

Aber dem rechten Gott sei Dank, bald kommt ja die Deluxe-extra-gold-Komfort-Internetsperre. Da darf dann das Bundesanalamt (BKA) alleine entscheiden, was dem Bürger zugänglich gemacht wird. Einfach ein kleiner Listeneintrag und auch diese böse Seite der Österreicher ist verschwunden. Die 134.014 deutschen Bürger die sich gegen dieses Gesetz ausgesprochen haben, sind halt demokratischer Kolleteralschaden. Pech gehabt, was bedeutet schon die Freiheit von wenigen, im Vergleich zum Schutze von Millionen?

AFK

VagantX

Im (Kon)text erwähnte Quellen:
http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=1438
http://www.zeichnemit.de/argumente.php
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/128/1612850.pdf


Die Geburt einer Revolution?

Auf der diesjährigen E3 war es das Hauptthema: Project Natal von Microsoft. Nüchtern beschrieben: Eine Kamera mit Sprachsteuerung für die Spielekonsole Xbox 360. Das wäre die Kurzfassung für alle Playstation 3 Besitzer und für diejenigen, die dieses Jahr schon mindestens dreimal Vista neu installiert haben.

Denn Natal ist mehr, viel mehr. Es ist eine Revolution und diese ist völlig losgelöst vom Spielesektor zu betrachten: Dreidimensionales Motion-Capturing in Echtzeit, verbunden mit einer funktionierenden Sprachsteuerung. („Sie wollen ein Kilo Bananen?“) Und das Wichtigste: Es wird bezahlbar sein. Denn auch wenn der Preis noch nicht feststeht, wird er weit von dem entfernt sein, was bis dato vergleichbare Technik, die zudem meist noch im Versuchstadium steckte, kostete. Selbst der Hardwarehunger hält sich in Grenzen, denn die 360 darf man durchaus als betagten PC bezeichnen.

Entwickelt wurde Natal wahrscheinlich auf Basis einer Technologie, die MS mit der Übernahme der kleinen israelischen Firma “3DV Systems” erwarb. Interessant ist dabei, das sowohl Electronic Arts als auch Nintendo ein erstes Kaufangebot für die ursprüngliche von 3DV entwickelte Software, dankend ablehnten. Zu unfertig war die Technik, zu stark der Zweifel an die Funktionalität. Nur Microsoft traute sich, ein sicheres Polster aus vielen, vielen Dollars, fängt jeden eventuellen Absturz sanft auf.

Doch so seltsam es sich anhört, Projekt Natal könnte tatsächlich unseren Umgang mit der Technik von Grund auf ändern. Wir interagieren mit allen Maschinen heute nur mit Knöpfen. Ob Tastatur oder Touchpad, ob Maus oder Fernbedienung, im Prinzip drücken wir immer nur schnöde, blöde Knöpfe. Lokal abgegrenzt, auf festen Feldern oder direkt im Gerät eingebaut. Das was Natal uns zeigt ist völlig anders, Daten werden begreifbar, wir können sie anfassen, verschieben, sortieren. Der Zugang erfolgt so, wie wir Menschen am besten Lernen: Intuitiv. „Du willst etwas, sage es, nimm es!“ Die Grenzen verschwimmen, der Computer betritt unsere Welt oder wir wagen den ersten kleinen Schritt in den Cyberspace.

Das enorme wirtschaftliche Potential dürfte jedem bewusst sein, der auch nur im Ansatz ökonomisch denken kann. Der nächst Schritt von MS wird die Integration von Projekt Natal in Windows 7 sein. Mit einer offenen Schnittstelle und dem nötigen Support, wird sich Natal verselbständigen. Fähige Designer und Entwickler werden in kürzester Zeit Natal adaptieren, zuerst in simplen Anwendungen, dann in komplexeren Strukturen und zuletzt hält es in der alltäglichen Technik Einzug …vielleicht.

Die Namensgebung zeigt, dass die Microsoft genau so denkt: Angeblich ist es nach dem brasilianischen Heimatort des Chefentwicklers benannt, doch „Natal“ ist auch lateinisch und bedeutet nichts anders als „Geburt“. Die richtige Mutter hat Natal jetzt. Hoffen wir, dass es nicht genauso so ein verzogenes Blag wird, wie einige andere Abkömmlinge von Microsoft.

*Wedel-vor-dem-Monitor*… ach verdammt, muss ich es doch tippen:

AFK

VagantX


Unser Dank an die Katarina Irmgard

Claus Peter Ullrich und Katarina Irmgard sind schon lange ein Paar. Nach ersten zaghaften Annäherungen in den wilden 70gern, sind sie heute ein eingespieltes Team. Claus Peter Ullrich ist der rationale Denker, das Arbeitstier, er lebt für seine Zahlen. Er gehört zu den berühmten 10 Leuten die die Binärsprache verstehen. Manche halten ihn für eine Null, für andere ist er die Nummer Eins. Seine bipolare Welt lässt kein Raum für Fehler, Spekulation oder Gefühle. Kalt wie Wassereis mit Erdbeergeschmack entscheidet er blitzschnell; er reagiert, er agiert, er regiert, er ist der Macher. Nur manchmal, wirklich selten, bricht seine Welt zusammen. Dann träumt Claus Peter Ullrich von blauen Bildschirmen, wirren Zahlenkombinationen und hört von weit, weit Weg eine Stimme die wirklich böse Sachen ruft. Aber dieser Zustand geht schnell vorbei, meistens jedenfalls.

Katarine Irmgard ist da anders. Zwischen „Ja“ und „Nein“ passt auch immer ein „vielleicht“. Als Bauchmensch stolpert sie unbeschwert durchs Leben. Grenzen existieren zwar, können aber überschritten. übersprungen, vielleicht aber auch rückwärts kriechend mit einem Ei auf den Kopf, überwunden werden. Denn Katarina Irmgard ist eine echte Zicke. Typisch Frau eben. Nur wenige Projekte können trauen sich deshalb Katarina Irmgard stark zu involvieren. Wenn sie nicht will, hakt alles. Manche Dinge lässt sie dann schlicht stehen und fährt auf der Suche nach grün-glänzenden Kristall einfach blind geradeaus. Aus Wut lässt sie Sachen explodieren, versteckt andere, schleudert Unmengen von unglaublich präzisen Granaten, oder hält sich verzweifelt an irgendwelchen Ecken und Katen fest. Aber dieser Zustand geht schnell vorbei, meistens jedenfalls.

Doch die Teamarbeit zwischen dem konservativen Claus Peter Ullrich und der extrovertierten Katarina Irmgard ist wichtig. Claus Peter Ullrich ist so berechnend, dass er eigentlich niemand eine Chance geben möchte. Das sogar niemand eine Chance gegen ihn hätte. Ressourcen sind nur Zahlen und diese sind endlos vorhanden. Also benutzt er sie endlos. Als mathematisches Genie ist ihm jeder hoffnungslos unterlegen. Katharina Irmgard zügelt ihn, sie gibt die Richtung vor, sagt wo Claus Peter Ullrich Fehler machen MUSS. Sie ermöglicht uns den Erfolg, ihn zu schlagen.

Und dafür sollten wir ihr, bei aller berechtigter Kritik an Katarina Irmgard, mal eines sagen: Danke!

AFK

vagantX


Die Macht des Hypes

Diesmal bin ich immun. Mich kriegt ihr nicht. Nein, mich nicht. Ich lasse mich nicht drauf ein. Ich schaue nicht hin. Auf keinen Fall. Ich lasse mich nicht von falschen Versprechungen einlullen, starre nicht sabbernd auf gephotoshopte Screenshots oder bunte Filmchen. Niemals wieder werde ich erwartungsvoll zitternd auf den Release irgendeines Spielchen harren, um dann gnadenlose enttäuscht zu werden. Niemals wieder werde ich eifrig Vorberichte lesen, um dann wie ein blöder Köter auf das nächste Häppchen zu hoffen. Nein, diesmal schaffe ich es, bestimmt, ich werde nicht schwach, ich darf nicht schwach werden, nein, neiiiin, neiiiiiin

…aber schau mal hier, hier ist der neue Teaser zu „Modern Warfare 2″, komm, komm trau dich, nur ein sanfter Klick, schadet doch nicht, ein Klick, genau so, schau es dir an, ja, schau hin, schau genau hin, schau! Hier ist schon der nächste Teaser, hier der Gametrailer, hier das 15 Minuten inGame Video von der E3, hier ist der Link zum Twitter-Netzwerk, hier die englischen News, hier die Adresse von einem, der jemand kennt, der mal Hausmeister bei Infinity Ward war.

Und es hat mich wieder voll erwischt. Verdammt, warum ist man so schwach? Oder besser, warum ist das Presales-Marketing so stark? Liegt es in der menschlichen Natur? Wollen wir immer das Beste, das Neueste, das Schönste? Können wir uns nicht zufrieden geben, mit den Spielen die wir gerade begeistert spielen? Natürlich nicht!

Der nächste Teil, das nächste Game, verspricht erstmal neue Innovation, ein noch besseres Spielerlebnis, in noch prächtigere Grafik. Die Vorberichterstattung in den Printmagazinen trägt ihren Teil dazu bei. Von bewusster Täuschung durch die Werbeabteilung kann man in Einzelfällen durchaus sprechen, denn wenn die ersten spielbaren Versionen in den Testrechnern liegen, ist die Ernüchterung der Redakteure oft groß. Das Marketing hat dann wieder gute(?) Arbeit geleistet. Nur das Endprodukt hielt nicht, was der Hype versprach, aber beim nächsten Teil wird bestimmt alles besser.

Egal, ich gebe mich meinem “MW2″ Hype gerade gerne hin. Lese sämtliche Informationen, schreibe News, Kommentare und Blogs. Kaufe teure Poster in den USA und fühle mich wieder wie der kleine Junge der genauso leidenschaftlich Fußballbilder sammelte. Der November wird für mich der wichtigste Monat im Jahr und ich fühle mich gut dabei…na, in der Selbstreflektion vielleicht etwas blöd…aber gut… who cares?

AFK

vagantX


Es brennt in Deutschland!

Irgendwo und überall in Deutschland. Ein Dach brennt. Das schwarz/rote Spritzmobil rollt gemächlich vor das Haus. Zwei ältere Herren in schicker Uniform entsteigen, es beginnt:

„Das Haus brennt“
„Wo?“
„Da oben!“
„Ach ja, böse Sache“
„Und jetzt?“
„Da müssen wir was machen!“
„Warum?“
„Na, wegen nächste Woche“
„Hm?“
„Na, die große Wahl zum Oberfeuerwicht, dann darfst Du weiter dein Gehalt selber bestimmen.“
„Ach so, stimmt, jetzt müssen wir handeln“
„Und?“
„Und was?“
„Na, was machen wir?“
„Hm, verbieten wir erstmal alle Feuerzeuge, die könnten das hier verursacht haben!“
„Gute Idee und was ist mit Streichhölzern?“
„Na, die auch!“
„Zigaretten?“
„Die sind eh Teufelszeug, verbieten!“
„Lupen?“
„Bitte?“
„Na, Lupe und Sonnenlicht und zack gibt es Feuer!“
„Verbieten!“
„Äste?“
„Hä?..ach so, am Anfang war das Reiben, Reiben, Reiben. Ganz klar verbieten! Bäume auch, verhindern wir gleich Waldbrände.“
„Prima Idee, Herde kommen auch auf die Liste, Elektroleitungen sowieso, Feuerwerkskörper sind indiskutabel, Zündkerzen prophylaktisch verbieten, alleine wegen des Namens und gegrillt wird auch nicht mehr! „
„Nur so können wir die Menschen vor solchen Katastrophen zukünftig schützen“
„Genau!“
„Und jetzt?“
„Gehen wir ein Bier trinken, dieses Haus ist sowieso nicht mehr zu retten!“
„Ja, gehen wir, bevor uns noch jemand sieht“
„Hm, was war eigentlich Brandursache?“
„Blitzschlag“
„Ach so, na egal“

Hiermit möchte ich mich noch mal ausdrücklich bei den Feuerwehrleuten entschuldigen, dass ich sie in diesem Dialog indirekt mit unseren Innenministern gleichstelle! Das habt ihr nicht verdient, so wie wir Gamer unsere Innenminister nicht verdient haben:

Sinnlose Symbolpolitik im Zeichen des Superwahljahres, im Netzslang kommentiert man solche Aktionen mit zwei Buchstaben: FU!

AFK

VagantX